Emotionsregulation und Soziale Rückmeldung

Lob oder Kritik – wie steuern wir unsere Reaktionen?

4 Bachelorarbeiten, 2 Masterarbeiten 

Erstbetreuung: Larissa Leist

Zweitbetreuung: Ulrike Basten / Hannah Plückebaum

Methode: : Faziale Elektromyographie (EMG) im Zentrallabor (Ostbahnstraße) 

Pro Person zu erhebende Datensätze: 

  • Bachelorarbeit: 50 h insgesamt / 1,5 h pro Versuchsperson = 33 Versuchspersonen
  • Masterarbeit: 100 h insgesamt / 1,5 h pro Versuchsperson = 65 Versuchspersonen

 

Soziale Rückmeldung gehört zu den emotional bedeutsamsten Signalen im Alltag: Ein zustimmendes Lächeln signalisiert Anerkennung und lädt zur Annäherung ein, eine ablehnende oder kritische Miene löst eher Vermeidung aus. Solche Reaktionen laufen schnell und oft automatisch ab, doch in vielen Situationen ist es notwendig, die naheliegende Reaktion zu unterdrücken, etwa um sich von Kritik nicht aus dem Konzept bringen zu lassen oder auf Lob nicht vorschnell zu reagieren.

Dieses Projekt untersucht experimentell, wie Personen soziale Rückmeldung in Form kritischer und anerkennender Gesichtsausdrücke verarbeiten und wie diese Prozesse mit Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Neben Reaktionszeiten und Verhalten wird dabei auch die Aktivität der Gesichtsmuskulatur mittels fazialem Elektromyogramm (EMG) erfasst, um automatische emotionale Reaktionen objektiv zu messen. Als Stimulusmaterial dient die FeedbackFaces-Datenbank, die standardisierte Gesichtsausdrücke der Anerkennung und der Kritik bereitstellt. Theoretisch knüpft die Arbeit an das Konzept von Annäherung und Vermeidung an: Anerkennung trägt eine Annäherungstendenz, Kritik eine Vermeidungstendenz. Im Paradigma kann diese inhärente Tendenz mit der geforderten Reaktion übereinstimmen (kongruent) oder ihr entgegenstehen (inkongruent), wodurch sich messen lässt, wie stark automatische soziale Reaktionstendenzen die willentliche Verhaltenskontrolle erleichtern oder erschweren. Die Arbeit bietet Einblicke in experimentelle Emotionsforschung und psychophysiologische Methoden. Studierende sammeln praktische Erfahrungen in der Durchführung von Laborstudien sowie in der Auswertung von Verhaltensdaten und fazialem EMG.

Sämtliche Studienmaterialien werden Ihnen zur Verfügung gestellt. Zu Beginn erhalten Sie eine Einführung in das Thema und die Methoden. Sie arbeiten im Team mit anderen Abschlussarbeitskandidat:innen zusammen: Jede:r erhebt Daten für eine festgelegte Anzahl an Versuchspersonen, sodass Ihnen für Ihre Analyse eine große Gesamtstichprobe zur Verfügung steht. Bei der Auswertung biologischer Daten werden Sie von uns unterstützt — in der Regel erhalten Sie vorverarbeitete Daten oder eine kleinschrittige Anleitung zur Datenauswertung.

 

Literatur zum Einstieg:

Taylor, M. J., Robertson, A., Keller, A. E., Sato, J., Urbain, C., & Pang, E. W. (2018). Inhibition in the face of emotion: Characterization of the spatial‐temporal dynamics that facilitate automatic emotion regulation. Human brain mapping39(7), 2907-2916.

Tottenham, N., Hare, T. A., & Casey, B. J. (2011). Behavioral assessment of emotion discrimination, emotion regulation, and cognitive control in childhood, adolescence, and adulthood. Frontiers in psychology2, 39.

Lazarov, A., Ben-Zion, Z., Shamai, D., Pine, D. S., & Bar-Haim, Y. (2018). Free viewing of sad and happy faces in depression: A potential target for attention bias modification. Journal of Affective Disorders, 238, 94–100. https://doi.org/10.1016/j.jad.2018.05.047

Themenvergabe

Wenn Sie der Biologischen Psychologie zugewiesen werden, werden Sie bis Ende des Sommersemesters kontaktiert, um in einem Online-Termin die Themenvergabe zu besprechen. Dabei berücksichtigen wir Ihre individuellen Zeitpläne. Erfahrungsgemäß hat es sich bewährt, bereits im Wintersemester mit der Datenerhebung zu beginnen und die Arbeit im darauffolgenden Sommersemester zu verfassen. Der Gesamtzeitaufwand wird dabei über zwei Semester verteilt, die vorgesehene Bearbeitungszeit jedoch nicht überschritten.